OAG 講義: Lernen von Tokyo
Mit dem Ausdruck “offene Gesellschaft” bezeichne ich nicht so sehr eine Staatsform
[sondern] eine Art des menschlichen Zusammenlebens, in dem Freiheit der Individuen, Gewaltlosigkeit, Schutz der Minderheiten, Schutz der Schwachen wichtige Werte sind.
—Karl Popper
Tokyo zeigt, dass Vertikalität nicht im Turm enden muss, sondern am Boden beginnen kann; dass sie verbindet, wo der Turm trennt, und genau dadurch die räumlichen Bedingungen für eine offene Gesellschaft schaffen kann.
Von Tokyo zu lernen heißt, Vertikalität als urbane Strategie neu zu denken: als Grundlage für eine Dichte, die nicht schließt, sondern öffnet.
東京は、垂直性が塔で終わる必要はなく、地面から始まりうることを示している。塔が分断するところで、このような垂直性はつなぐ。そしてそのことによって、開かれた社会のための空間的条件をつくり出すことができる。
東京から学ぶとは、垂直性を都市の戦略として捉え直すことである。閉ざすのではなく、開く密度の基盤として。
Seit seinen Anfängen vor über 400 Jahren ist das heutige Tokyo Vorreiter eines bis heute weltweit anhaltenden Trends: der Urbanisierung.
Vor rund zwei Jahrzehnten übertraf die städtische Bevölkerung weltweit zum ersten Mal die ländliche. Im Jahr 2050 werden zwei Drittel der Menschheit in Städten leben. Nicht das Ob, sondern das Wie ist zur zentralen Frage urbaner Dichte geworden. Und doch hat sich die Antwort darauf weltweit erstaunlich verengt. Verdichtung wird nahezu reflexhaft mit dem Turm gleichgesetzt.
Tokyo erlaubt einen anderen Blick. Dichte entstand hier lange nicht durch Höhe, sondern durch Überlagerung, Nähe und das produktive Nebeneinander von Widersprüchlichem. Edo wuchs von Beginn an nicht durch steuernde Eingriffe von oben, sondern in kontinuierlicher Anpassung an die gegebene Topografie. Noch heute erscheint Tokyo – eine der größten Konurbationen der Welt – eingebettet in ein feinmaschiges Geflecht aus kleinteiliger Durchlässigkeit.
Als man 1963 in Tokyo die Höhenbeschränkung für Gebäude aufhebt, wird auch hier der Turm zur dominanten Antwort. Und schnell zeigen sich seine Grenzen. Isolierte Objekte stapeln Geschossfläche, während sie das urbane Leben am Boden ausblenden. Der öffentliche Raum verschwindet in privatisierten Sockelzonen, in denen Offenheit organisiert, reguliert und kontrolliert wird.
Tokyo zeigt dennoch überall, dass Vertikalität nicht im Turm enden muss, sondern am Boden beginnen kann; dass sie verbindet, wo der Turm trennt, und genau dadurch die räumlichen Bedingungen für eine offene Gesellschaft schaffen kann.
Von Tokyo zu lernen heißt, Vertikalität als urbane Strategie neu zu denken: als Grundlage für eine Dichte, die nicht schließt, sondern öffnet.
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Public Lecture at Ost-Asien-Gesellschaft Tokyo. (OAG)
For more info, see the article on OAG's Website
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